Rückblick zur Mühlbergfahrt

Eindrucksvolle Fahrt nach Mühlberg/Elbe
Die von der katholischen Erwachsenenbildung ausgeschriebene Fahrt zu Pater Alois Andelfinger nach Mühlberg/Elbe war für 45 Teilnehmer ein eindrucksvolles Erlebnis. Bereits bei der Ankunft waren alle angetan vom herzlichen Empfang im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Marienstern, wo die Claretiner nach der Wende ein „Ökumenisches Haus der Begegnung und Stille“ aufgebaut haben. Im Kreuzgang und in der denkmalgeschützten Kirche konnte man bei den Ausführungen von Pater Alois und einer abendlichen Lichtmeditation noch den Geist vergangener Jahrhunderte mit deren bewegter Geschichte erspüren. Sehr nachdenklich stimmte die Fahrt zu der 45 km entfernten Gemeinde in Schlieben, wo Pater Alois regelmäßig eine Eucharistiefeier anbietet. Schlieben ist eine der sechs Gottesdienststellen der pfarrerlosen Gemeinde St. Franziskus mit insgesamt 1500 Katholiken, die von den Claretinerpatres seelsorglich betreut werden. Das Gebiet erstreckt sich wegen der geringen Bevölkerungsdichte auf über 60 km Länge und 30 km Breite. Dass sich die praktizierenden Christen hier umso stärker gefordert wissen, durfte die Gruppe aus Spaichingen bei der Vorabendmesse erleben, die in einem schlichten Kirchlein abgehalten wurde. Dieses entstand verbotenerweise bereits zu DDR–Zeiten in einem ehemaligen Stall. Für die wenigen, aber sehr engagierten Gemeindemitgliedern war es ein seltenes Erlebnis, dass der kleine Kirchenraum mit so vielen Menschen gefüllt war. Als die Gäste anschließend zum Grillen und gemütlichem Beisammensein eingeladen waren, fühlte man sich bei Gesang und heiterer Stimmung bald wie eine große Familie. Außer den kirchlichen und spirituellen Angeboten waren die Tage mit einem vielseitigen Programm gefüllt: Einer Besichtigung des geplanten Stadthafens Großräschen, wo in den stillgelegten Gruben des Braunkohleabbaus bereits ein See mit großen Freizeitanlagen im Entstehen ist. Eine anschließende Führung im Gebiet des Tagebaus Welzow-Süd verschaffte einen Einblick in eine fremde Welt. Der Eingriff des Menschen in die Natur mit all seinen Folgen hätte nicht anschaulicher vermittelt werden können. Eine zweistündige Kahnfahrt mitten durch das idyllische Naturschutzgebiet des Spreewaldes war danach ein richtiges Kontrastprogramm, bei dem man den bewegenden Eindrücke nachsinnen konnte. Am Sonntag erinnerte ein Gang durch die Gedenkstätte des ehemaligen Lagers Mühlberg an die Gräueltaten der vergangenen Jahrzehnte. Hier wurde das einstige Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht durch ein Stasi-Speziallager abgelöst. Die Betroffenheit an den Schautafeln, dem mahnenden Kreuz und den unzähligen Namen der Häftlinge wirkte im anschließenden Gemeindegottesdienst in Mühlberg bei allen Teilnehmern noch spürbar nach. In der Lutherstadt Torgau rückte ein Aspekt mit neuer Aktualität in den Blick: Die Reformation. Die als „Amme der Reformation“ bezeichnete Stadt ist bekannt durch das Grab der Katharina von Bora – Luthers Ehefrau – und die Schlosskirche, welche als erste evangelische Kirche von Martin Luther konzipiert wurde. Im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2017 wurden die geschichtsträchtigen Gebäude  auf Hochglanz gebracht. Am meisten beeindruckte wohl die prächtige Schlossfassade. Nicht zuletzt sei noch die Führung durch das Städtchen Mühlberg erwähnt, welches in den letzten Jahren große Herausforderungen zu bewältigen hatte: Nach der Wende dezimierte sich die Einwohnerzahl beträchtlich durch die Abwanderung vieler junger Menschen. Dies veränderte natürlich die gesamte Ortsstruktur. Dass das einstige Schulhaus in ein Altersheim umfunktioniert wurde, spricht für sich. Ein Schicksalsschlag war für viele Bewohner ein Tornado im Sommer 2010, welcher einen Großteil der Hausdächer und des Baumbestands zerstörte. Beim Elbhochwasser der vergangenen Jahre stand der Pegel zweimal knapp an der Oberkante des Deichs, so dass alle Einwohner evakuiert werden mussten. Vor der großen Katastrophe blieb die Stadt aber zum Glück verschont. Für die Teilnehmer der Reise waren die Eindrücke eine zwischenmenschliche, kulturelle wie auch spirituelle Bereicherung und man könnte sich einen Gegenbesuch der Freunde von der Elbe gut vorstellen.



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